Jugendkulturen – Ausdruck des Erwachsenwerdens

JugendkulturenAls Jugendkultur bezeichnet man ein kulturelles, individuelles und existentielles Streben der Jugend nach der Etablierung einer eigenen Subkultur innerhalb der bestehenden Erwachsenenkultur. Dieses Streben ist psychologisch begründet, und resultiert daraus, dass Heranwachsende Ihr Lebensgefühl als einzigartig und neu empfinden (das Gefühl des Nichtverstandenwerdens durch die Erwachsenen ist hier ein Beispiel), in den bestehenden kulturellen Gegebenheiten aber keine Möglichkeit sehen sich entsprechend auszudrücken, zu definieren und zu (er-)finden.

Jugendkulturen werden in sämtlichen Generationen geboren, und sind ein wichtiger Bestandteil im Leben junger Erwachsener im Rahmen des Selbstausdrucks und der Selbstfindung. Sie können gesellschaftlich, politisch, sozial oder ästhetisch geprägt sein, die Intensität der Herausbildung ist jedoch von Generation von Generation unterschiedlich. Auch der Grad der Identifikation der Jugendlichen mit ihrer Kultur schwankt.

Merkmale von Jugendkulturen im Allgemeinen

Jugendkulturen definieren sich stets durch gruppendynamische Aspekte und einer gewissen dominierenden Einheitlichkeit, die sich im Gedankengut, der Musik oder einer optischen Präsenz in Form von Frisuren und Kleidung widerspiegeln kann. Diese äußeren Merkmale werden von der Öffentlichkeit deutlich wahrgenommen, und dienen dazu etwas in die Gesellschaft zu transportieren, während die beiden anderen Merkmale eher sekundär in diesen Zustand fallen. Jugendkulturen treten ganz besonders stark dort auf wo totalitäre politische und gesellschaftliche Normen plötzlich aufgehoben werden, wie bspw. nach Regierungsstürzen oder politischen Neuorientierungen. Hier definieren Jugendkulturen ein neu erlangtes Freiheitsgefühl, gepaart mit der offensichtlichen Zurschautragung der eigenen, dem System entgegenstehenden Meinung, da nun keine negativen Konsequenzen mehr zu erwarten sind. Hier können extreme Jugendkulturen, wie Visual Kei in Japan, auch als kleine Siegesbekundungen betrachtet werden. Die eigene grenzenlose Verwirklichung wird zur lebenden Trophäe.

Wichtige und bekannte Jugendkulturen

Nicht alle Jugendkulturen überleben das Erwachsenwerden ihrer Anhänger, und damit den Generationenwechsel. Solche die es dennoch geschafft haben, und generationsübergreifend weiterbestehen und weitergeführt werden, sind in fast allen Fällen mit einem eigenen Musikstil verbunden der vermarktungsfähig war. Hierzu gehören beispielsweise Rock, Metal, Pop, Hip-Hop und Techno in den unterschiedlichsten Subgenres. Auch politisch orientierte und geprägte Kulturen überstehen den Wechsel meist sehr gut, was jedoch noch fundamentaleren Gründen entspringt. Jugendkulturen wie die Swingjugend waren einst ebenfalls politisch motiviert, in Form einer kulturellen Opposition zum Nationalsozialismus. Andere Jugendkulturen wie beispielsweise Hooligans definieren ihre Existenzgrundlage durch die Fixierung von starken Emotionen wie Wut und Hass, nicht selten in Verbindung mit, oder resultierend aus, einem privaten Ohnmachtsgefühl. Sie gehören von allen Jugendkulturen zu den niedermotiviertesten. Mit zu den bekanntesten, und vermutlich auch einflussreichsten der Geschichte, gehört die Hippie-Bewegung der 60er und 70er Jahre.

Kommerzialisierung von Jugendkulturen

Sobald eine gesellschaftliche Akzeptanz erreicht, und ein gewisser Bekanntheitsgrad gewährleistet ist, bleiben auch die meisten Jugendkulturen nicht vom Mainstream verschont. Die Musikindustrie sowie die Modeindustrie greifen in regelmäßigem Turnus neue Jugendkulturen auf und vermarkten die prägnantesten Aspekte in breiter Masse. Von nicht wenigen Anhängern einer Jugendkultur wird dies eher negativ aufgefasst, meist in Verbindung mit dem Gefühl der Verfälschung ihrer Sache zu kommerziellen Zwecken, was häufig das genaue Gegenteil dessen darstellt was die Szene eigentlich aussagen und transportieren möchte. Spätestens unter dem Aspekt der Vermarktung müssten sämtliche Jugendkulturen differenziert und neu definiert werden, wenn man die eigentlichen Ursprünge und Bedeutungen erfahren möchte.

Fotoquelle: Robert Kneschke – Fotolia

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